Das Leben der weiblichen Häftlinge im Lager

Der Bericht eines Häftlingsmannes beschreibt die Situation der Frauen in den Mühldorfer Lagern (14):

Für die ersten Frauen gab es keine Unterkunftsmöglichkeiten, sie wurden in Erdhöhlen untergebracht. Zuerst wurde eine Küche aufgestellt, damit sie wenigstens verpflegt werden konnten. Über die Erdhöhlen wurden sogenannte Finnenzelte, aus Sperrholzplatten zusammengebaut und mit Rasenstücken belegt, gedeckt. Von außen sahen sie wie bedeckte Kohlenmeiler aus, mit einem kleinen Luftabzug an der Decke. Stroh wurde von den Bauern geliefert, darauf mussten die Frauen auch schlafen. Zum Zudecken wurde nur eine Decke pro Kopf geliefert. Sanitäre und Wasseranlagen gab es nicht, ebenso keine Klosetts oder Latrinen.

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In den Erdhöhlen gab es kein Licht. In dem ganzen Lager befand sich zu der Zeit nur die Lichtleitung zu dem Anhänger des Kommandoführers und der einen Baracke. Für die Lagerälteste gab es eine Karbidlampe, für die nur soviel Karbid vorhanden war, dass sie eine Stunde täglich gebrannt werden konnte. So war es selbstverständlich, dass man den Brennstoff für wichtige Zwecke, z.B. wenn jemand krank war, oder für dringende Arbeiten aufsparte.

Alles kroch am Abend müde unter die Decke. Der Schlaf war die beste Erholung. Aber selbst er war oft nicht ausreichend. Oft kamen nachts Transporte mit schweren Material, das vor Fliegerangriffen sichergestellt werden sollte, im Lager an. Dann mussten die Gefangenen ihren Schlaf unterbrechen und an die Arbeit gehen, denn die Rüstungsindustrie drängte. Mit unerhörten Aufwand an Arbeitskräften und schärfsten Arbeitstempo versuchte man, das Kriegsglück zu wenden ...

So unterschied sich die äußerliche Situation der Frauen in den Lagern nur wenig von der der Männer: schlechte Ernährung, Krankheiten, mangelnde Hygiene, Kälte, keine sanitären Anlagen, fehlende geeignete Kleidung, keine medizinische Versorgung.

Je nach Lagersituation und Bewachungspersonal waren Häftlingsfrauen zudem das Opfer von Schlägen und Misshandlungen seitens männlicher und weiblicher SS, aber auch männlicher oder weiblicher Häftlingsfunktionäre. Hinzu kamen Schikanen wie stundenlanges Appellstehen (15).

Als prägende Erlebnisse werden in den wenigen Berichten überlebender Frauen die ständige Bedrohung durch Bombenangriffe, Hunger und Krankheiten angeführt. Der Hunger schwächte die Frauen psychisch und physisch, die Gedanken zentrierten sich auf Nahrung und darauf, wie sie zu beschaffen ist. Krankheiten und Seuchen wie Typhus und Fleckfieber, die sich aufgrund der unzureichenden Ernährung schnell ausbreiteten, konnten das Todesurteil bedeuten (16).

In anderen Punkten unterschied sich die Haftsituation von Frauen von der der Männer: Viele Frauen etwa erlebten es als große Demütigung, sich immer wieder vor Männern nackt auszuziehen und zum Beispiel auf ihre Arbeitsfähigkeit taxieren lassen zu müssen (17).

 

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